Fünf Schritte zur Selbstsabotage

Die perfekte Selbstsabotage in 5 Schritten

Fünf Schritte zur Selbstsabotage

Machen Sie Ihren Job gerne? Haben Sie genug Energie zur Verfügung, um einerseits Ihre beruflichen Aufgaben gut zu erledigen und andererseits eine erfüllende Freizeit zu genießen? Sind Sie meistens gesund? Finden Sie leicht kreative Ansätze und Lösungen für komplexe Problemstellungen? Sind Sie beliebt und erfolgreich? Wenn Sie die Fragen mit „Ja“ können, dann bieten wir Ihnen nachfolgend eine kleine Anleitung zur Selbstsabotage, um möglichst schnell zu einem „Nein!“ als Antwort zu kommen.

Schritt 1: Machen sie alles selbst!

Vermeiden Sie es, Aufgaben zu delegieren. Vor allem Dinge, die andere möglicherweise effizienter machen könnten oder solche, die ihnen überhaupt nicht liegen, sollten Sie unbedingt selbst machen. Natürlich gilt das auch für alle anderen Aufgaben, auch jene, die Sie gerne machen! Gelingt es Ihnen nur schwer, alle anfallenden Arbeiten an sich zu raffen, so empfehlen wir Ihnen, Ihren Mitarbeitern das Vertrauen zu entziehen. Das geht ganz einfach: Denken Sie immer wieder daran, dass Sie der oder die einzige sind, der mitdenkt, die etwas kann, der fehlerfrei arbeitet, die weiß, wie die Musik spielt usw. Mit etwas Übung finden Sie noch weitere Argumente, warum Sie Ihren KollegInnen nicht vertrauen können. Sie können „nicht vertrauen“ auch durch „nichts zutrauen“ ersetzen – die Wirkung bleibt gleich.

Sollten Sie es verabsäumt haben, alle Tätigkeiten selbst zu machen, so kontrollieren sie wenigsten gründlich jeden Schritt ihrer Mitarbeiter. Sie werden rasch bemerken, dass auch hier ein ähnlicher Effekt entstehen kann.

Das Ziel dieses Schrittes ist es, möglichst wenig Gelegenheit für Ihre eigentlichen Tätigkeiten zu bekommen und möglichst viel Zeit- und Arbeitsdruck zu erzeugen.

Schritt 2: Arbeiten sie möglichst lange und das ohne Pausen.

Sportwissenschafter behaupten, dass man in den Pausen stärker wird. Verschiedene Arbeitsstudien belegen, dass man in kleinen Auszeiten häufig kreative Ideen entwickelt oder nach einer Pause komplexe Probleme leichter lösen kann. Die Vermutung liegt nahe, dass bei ausgeglichenen Phasen der Anspannung (Arbeit) und Entspannung (Pause) die Leistungsfähigkeit steigt, weniger Fehler und Unfälle passieren.

Sie merken schon, dass diese Dinge für unser Vorhaben der Selbstsabotage natürlich wenig förderlich sind. Daher sollten Sie versuchen, auf Pausen gänzlich zu verzichten und möglichst lange ohne Unterbrechung zu arbeiten. Sollten Sie aus irgendeinem Grund gezwungen werden, Pausen einzuhalten, so füllen Sie diese mit möglichst unangenehmen Dingen, die Sie belasten, anstrengen oder die Ihnen keine Freude bereiten. Dazu eignen sich Telefonate mit schwierigen Kunden, Online Bankgeschäfte, usw. Vermeiden Sie unbedingt kurze Spaziergänge an der frischen Luft, das Öffnen des Bürofensters, nette Plaudereien mit Kollegen!

Versuchen Sie zusätzlich, möglichst wenig zu schlafen.

Mit dem zweiten Schritt sollen sie ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit torpedieren. Sie werden bemerken, dass sich Schritt 2 und Schritt 1 sehr gut kombinieren lassen.

Schritt 3: Füllen sie ihre Freizeit mit einem weiteren „Vollzeitjob“

Eine vierzig bis sechzig Stunden Woche alleine scheint noch nicht den optimalen Auslaugungseffekt für unsere Selbstsabotage zu haben. Hier ist es ratsam, sich in der Freizeit eine Tätigkeit zu suchen, die einem weiteren Vollzeitjob ähnlich ist.

Besonders geeignet scheint beispielsweise professionelles Training für sportliche Wettkämpfe, beispielsweise für den Hawaii Ironman. Den Trainingsplan eines Profis neben einem Vollzeitjob umzusetzen wird Sie sicher schnell an Ihre physischen wie psychischen Grenzen bringen. Sollten Sie gerade keinen Wettkampf absolvieren wollen, so reicht es, jegliche Art von Freizeittätigkeit mit einem hohen Maß an Leistungsdruck zu kombinieren. Nehmen Sie für jede Freizeitaktivität eine Stoppuhr mit. Setzen Sie sich möglichst unerreichbare Ziele. Machen Sie aus allem einen persönlichen Wettkampf!

Sie werden merken, dass Sie in kürzester Zeit auch in der Freizeit ein hohes Maß an Erschöpfung entwickeln.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass Sie sich bei allem, was Sie tun, quälen, denn zur Erbauung, zum Spaß oder zum Genuss sollen Sie diese Aktivitäten nicht setzen – sondern zur Selbstsabotage!

Ziel dieses Schrittes ist es, möglichst wenig Zeit für Regeneration zu haben und ein hohes Maß an zusätzlicher physischer wie psychischer Belastung zu konstruieren.

Schritt 4: Vermeiden Sie, auf Ihren Körper zu achten!

Schon in Punkt 3 wurde auf die Bedeutung des „Quälens“ hingewiesen. Missachten Sie zukünftig sämtliche Warnsignale Ihres Körpers, wie zum Beispiel Müdigkeit, Schmerzen, Erkältungen, Schwäche usw. Gönnen Sie sich keine Pausen (siehe Punkt 2) und vermeiden Sie alles, was Ihnen und Ihrem Köper gut tut! Massagen, Wellness, Yoga, Entspannungstechniken hätten zur Folge, dass Sie entspannter, ausgeruhter und gesünder sind, was für diese Form der Selbstsabotage zweifelsfrei kontraproduktiv wäre.

Machen Sie keinesfalls den Versuch, sich gesundheitlich durchchecken zu lassen! Jede präventive Maßnahme und jede Vorsorgeuntersuchung verhindert die Selbstsabotage in hohem Maß!

Mit diesem Schritt sollen Sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, möglichst bald körperliche Folgen Ihrer Selbstsabotage zu spüren.

Schritt 5: Lösen sie alle Probleme alleine.

Probleme sind ja bekanntlich das Salz in der Suppe und: „Eine Suppe, die man sich selbst einbrockt muss man auch selbst auslöffeln“. Es wäre absolut ungeeignet für eine zielführende Selbstsabotage, wenn Sie mit jemandem über Schwierigkeiten sprechen oder gar um Hilfe fragen würden. Die Gefahr dahinter wäre ja, dass Sie möglicherweise eine Lösung für Ihre Probleme finden könnten.

Idealerweise setzen Sie diesen Schritt sowohl im fachlichen wie auch im persönlichen Kontext um. Im fachlichen Kontext können Sie so die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass bereits vorhandene Lösungsansätze nicht bis zu Ihnen vordringen und Sie jedes fachliche „Rad“ selbst neu erfinden müssen. In Kombination mit Schritt 1 ist dieser Schritt hinsichtlich Selbstsabotage unschlagbar.

Bei persönlichen oder zwischenmenschlichen Problemen sollten Sie ebenso keine andere Person hinzuziehen. Haben Sie beispielsweise Schwierigkeiten mit einem Kollegen, so könnte ein direktes Ansprechen unter Umständen Missverständnisse klären, was möglicherweise zur Auflösung des Problems führen würde – ein absolutes No-Go in der Kunst der Selbstsabotage. Auch das Beiziehen eines Außenstehenden im Falle eines zwischenmenschlichen Konfliktes würde lediglich die Wahrscheinlichkeit einer gemeinschaftlichen Lösung erhöhen und ist im Sinne der Selbstsabotage dringend abzulehnen.

Anliegen persönlicher Natur, wie Umgang mit Leistungsdruck, Entscheidungsfindung, usw. sollten jedenfalls alleine bearbeitet werden. Nur so können Sie sicherstellen, dass Sie im Geiste die Arbeit mit nach Hause nehmen, nicht mehr abschalten können und im Idealfall nächtelang wachliegen. Die gemeinsame Bearbeitung mit einem professionellen Coach würde obendrein eine Entwicklung Ihrer Persönlichkeit beispielsweise hinsichtlich Ihrer Problemlösungskompetenz, Ihrer Entscheidungsfähigkeit und ihrer Handlungskompetenz im beruflichen Alltag sowie in Ihrer Freizeit bewirken. Weitere Folgen könnten obendrein mehr Zufriedenheit, Gelassenheit, Freude am Tun oder ähnliches sein und sollten unbedingt vermieden werden!

Ziel dieses finalen Schrittes ist es, sich zu isolieren, Probleme zu wälzen statt sie zu lösen und Schwierigkeiten – egal ob fachlicher, persönlicher oder zwischenmenschlicher Natur – möglichst lange am Leben zu halten.

Zusammenfassung

Jeder Punkt für sich bewirkt eine spürbare Verschlechterung Ihrer Freude an der Arbeit, Ihrer Leistungsfähigkeit, des Arbeitsklimas in Ihrem Betrieb und natürlich auch Ihrer Lebensqualität. Besonders erfrischend ist, dass bei konsequenter Umsetzung auch Ihr jeweiliges Umfeld (Arbeit und Familie) deutlich beeinträchtigt wird. So können Sie einen besonders nachhaltigen Effekt Ihrer Selbstsabotage erzielen und daraus eine Form der Fremdsabotage entwickeln. Denken Sie nur an die Mitarbeiter, denen Sie Ihr Vertrauen entziehen – unschlagbar!

Sollten Sie den einen oder anderen Punkt bereits umsetzen, so empfehlen wir, die anderen Punkte ebenfalls so gewissenhaft in Ihren Alltag einzubauen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Selbstsabotage auch wirklich funktioniert.

Der einzige Nachteil dieser Schritte ist, dass wir Sie bei ihrer Umsetzung sicher nicht unterstützen werden.

Aber das haben Sie sich eh schon gedacht.

Lukas Ofner-Ressler
lukas.ofner-ressler@consiglieria.com
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